SONGLINES

Heinrich von Kalnein – Alto- & Sopranosaxophones
Marek Balata – Vocal
Uli Rennert – Keyboards
Achim Tang – Bass
Gregor Hilbe – Drums, Samples & Loops

 

SONGLINES basiert auf einer Idee des polnischen Ausnahmesängers Marek Balata und mir - unterstützt von Keyboarder Uli Rennert, dem jetzt in Köln beheimateten Bassisten Achim Tang und dem Schweizer Schlagzeuger und Elektroniker Gregor Hilbe (Tangocrash). Die Kompositionen kommen von allen Ensemblemitgliedern - gleichermassen songorientiert wie freitonal mit einem klaren Schwerpunkt auf melodischer Entwicklung und Kontrapunkt. Saxofon und Stimme bestimmen das Klangbild - durch rhythmisch freie sowie patternorientierte Grooves und Loops von Keyboards, Bass und Schlagzeug grundiert. Contemporary Jazz meets Electronica meets Worldbeat.

 

„Der deutsche Saxofonist und Komponist Heinrich von Kalnein lebt und unterrichtet in Graz / Österreich, und er ist mit verschiedenen international besetzten Gruppen aktiv - vom Trio bis zur Jazz Bigband Graz oder zum Vienna Art Orchestra. Der technisch beschlagene Musiker erscheint als Verwandter von Altsaxophonisten wie Phil Woods oder Cannonball Adderley, deren Orientierung er in die Gegenwart fortführt ohne neuere Entwicklungen ausser Acht zu lassen. Dabei erweitert er die Musizier- und Spieltechniken der Jazztradition mit Elementen des Jazzrock, elektronischer Musik, der neueren Popsongs und ethnischer Musik. Top-informiert und offen für vieles hat sich von Kalnein schon von diversen Facetten der heutigen pluralistischen Szene anregen lassen, in den 1990er Jahren nachdrücklich von indisch-klassischer Musik mit seinem deutschen Kollegen Roland Schaeffer im Ensemble Free Winds. An dichten, virtuosen Kraftakten liegt dem Saxophonisten wenig; vielmehr legt er seine Energie in den linearen melodischen Ausdruck, der nicht nur vom Jazz-Balladenspiel abstammt, sondern ebenso sehr von der Romantik sowie von europäischen und asiatischen Kulturen, in denen sich die Instrumentalisten vornehmlich am Gesang orientieren.

Der CD-Titel „Songlines“ trifft darum gleich doppelt zu – nicht nur für das Wesen der aktuellen Stücke; von Kalnein outet sich hier geradezu als Melomane. Schon auf seiner letzten CD „Blackbird – the lennon/mccartney songbook“ befasste er sich mit Songs. Jetzt sind es eigene Lieder ohne Worte. Ihre zum Teil langen Strukturen werden improvisatorisch zusätzlich erweitert und gestreckt, wobei der Atem und das Atemholen, die Pausen, ein ebenso wichtiges Gestaltungselement sind wie die Töne. Die „endlosen Gesänge“ evozieren Zeitlosigkeit; das alte Modell Thema – Soli - Thema wird relativiert und verwischt, wenn auch nicht aufgehoben. Das häufige Pendeln zwischen Rubato und luftigen, sparsam gesetzten Grooves steigert die nachdenkliche, innige Stimmung. Beim Anhören hatte ich manchmal Assoziationen zu leidenschaftlichen, halb improvisierten Sologesängen aus Mitteleuropa und Iberien. Besonders fühlte ich mich aber erinnert an den folkloristisch beeinflussten Jazz polnischer Pioniere wie Zbygniew Namyslowsky, Zbygniew Seifert und Tomasz Stanko. Das mag mit der Beteiligung des profilierten polnischen Scat - Sängers Marek Balata zusammenhängen. Jedenfalls war seine Einladung eine geschickte Idee. Wenn von Kalnein sich an der Singstimme orientiert, dann agiert Balata oft wie ein zweiter Bläser, wobei seine Wechsel zwischen Bariton und Falsett zu einem Spiegel und einer Erweiterung des sonoren Sounds von Alt- und Sopransaxophon werden.

„Songlines“ will keine sozialkritische, keine ironische Jazzmusik sein. Vielmehr, so scheint mir, ist dies das integrative Werk eines Verliebten - und Verliebtheit macht uns bekanntlich mitfühlend und tolerant. Heinrich von Kalneins Himmel hängt voller – Saxophone.“ 

Jürg Solothurnmann

„ ... Songlines smacks of originality and uniqueness in a current deluge of less well conceived projects."

(C.Michael Bailey, www.allaboutjazz.com)